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11.05.2017
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Die SRG und ihre Sehnsucht nach Deutungshoheit

David Meister, @davemeist


Die Medien stecken in der Krise. Schuld an der Misere sind das Internet, die sozialen Netzwerke und das Nutzungsverhalten einer wachsenden Mehrheit, die ihre Bedürfnisse für Information und Unterhaltung individuell abgestimmt konsumiert.

Während in allen privatrechtlichen Sendeanstalten kaum ein Stein auf dem anderen bleibt, sind die jährlichen Lohnerhöhungen für die rund 6'000 Mann starke Belegschaft der Schweizerischen Radio- und Fernsehgestelltschaft SRG gesichert. Das Geld fliesst in Strömen und wird auch mit vollen Händen ausgegeben. Das Durchschnittsgehalt bei der SRG liegt bei 107'354 Franken. Dennoch ist die SRG nicht glücklich, denn der Beifall bleibt aus. Leutschenbach erwartet pauschalen Zuspruch für ihren selbst definierten «Service Public». Doch die SRG sieht sich als gestempelten Sündenbock. Die grossen Verlagshäuser hätten einen gemeinsamen Feind gesucht und in der SRG gefunden.

Um die Ursache für die Krise der Printmedien nicht alleine überwinden zu müssen, haben die grossen Verlagshäuser einen gemeinsamen Feind gesucht, der an ihrer Misere schuld sein soll. Gefunden haben sie die SRG SSR, die dank Gebührengeldern tatsächlich unabhängig von den Interessen privater Geldgeber ist und darum vom ständigen Abbau noch weitgehend verschont blieb. (Zitat SRG)

Die Verlagshäuser hätten die Digitalisierung verschlafen, so die Auffassung der SRG. Mit 1,5 Milliarden Franken jährlichem Zustupf ist die selbsterklärte Opferrolle des staatsnahen Mediums eine Ungeheuerlichkeit. Der von der SRG kürzlich verfasste Artikel «Die «vierte Gewalt» schwächelt», bezogen auf die in der Krise stehenden Medienhäuser, kann nur als Häme verstanden werden.

Weiter sorgt sich die SRG um ihre schwindende Deutungshoheit, die ihr zustehe. Im Netz hätten oftmals kleinere Institution wie sie, ein weit grösseres Medienecho als ihnen aufgrund ihrer Grösse eigentlich zustünden. Dadurch entstehe – so die Theorie der SRG – ein verzerrtes Bild des gesellschaftlichen Mainstreams.

«Mainstream» wiederum sei, ­neben der vermeintlichen «Elite», eines der neuen Lieblingswörter der «neuen Rechten» (welche einzig die Zerstörung der SRG als Mission hätten – à propos Verschwörungstheorien). Dass eine Elite lenke oder der Mainstream von oben gelenkt werde, sei an Absurdität kaum zu überbieten - so die SRG, welche jedoch selbst mit der Politik bis aufs Engste verfilzt ist, wie die NZZ schon recherchierte.

Grosse Verlagshäuser fordern von der SRG einen «Open Content»

An Absurdität kaum zu überbieten ist eine weitere Theorie der SRG, mit der sie den mit öffentlichen Geldern finanzierte Content unter Verschluss halten will. Grosse Verlagshäuser fordern von der SRG einen «Open Content», um den Wettbewerb mit den ungleichen Spiessen zu «entzerren».

Erwartungsgemäss sperrt die SRG auch in diesem Punkt, und zwar mit einer Begründung, die abenteuerlicher nicht sein könnte. Die SRG befürchtet, wenn «ihre» audiovisuellen Inhalte von privaten Medienhäusern gratis übernommen werden könnten, würden diese nochmalig verkauft. Dadurch «müsse» der Konsument den Inhalt zweimal bezahlen. Das Portemonnaie der Konsumenten liegt der SRG also am Herzen. Wir nehmen dies gerne zur Kenntnis.

«Die eigentliche Frage geht weit über die SRG hinaus – es geht vielmehr um die Zukunft der Informationsfreiheit und -vermittlung.»

Dieses Zitat stammt allen ernstes von der SRG. Denn nur mit einem zwangsfinanzierten Monopolsender, der privatrechtliche Produzenten von der Medienlandschaft verdrängt, könne eine vielfälitige Medienlandschaft garantiert werden.

Es ist für die SRG nur zu hoffen, dass solche Absurditäten der Panik vor dem Wegfall ihrer gesicherten Einkünfte geschuldet sind. Andernfalls scheint die Höhenluft im Elfenbeinturm für Halluzinationen zu sorgen.

(dm)

Eine Replik auf srgd.ch/de/aktuelles/news/2017/05/02/die-vierte-gewalt-schwachelt.


Der Beitrag repräsentiert die Standpunkte des Autors und nicht zwingend die Sicht der Redaktion.